Das Vollkommene im Blick
Von Jasmin Takim
Von Lomonossow nach Oberursel: Nikolai Karlychanow hat beim Bildhauersymposium viele neue Freunde gefunden.
Oberursel. Diven lassen bekanntlich gerne auf sich warten. Entsprechend groß ist dann die Spannung des Publikums. Auch beim Stammtisch des Partnerschaftsvereins in der Brasserie am Rathausplatz verging erst mal eine knappe Stunde, ehe sich der lang erwartete Gast die Ehre gab.
Doch dem Bildhauer Nikolai Karlychanow verzeiht man die Verspätung gerne. Der Künstler aus der Partnerstadt Lomonossow hatte gleich alle Sympathien auf seiner Seite: Bescheiden, freundlich und aufrichtig erstaunt ob der Aufmerksamkeit, die ihm da zuteil wurde, stellte er sich den Fragen der rund 20 kunstinteressierten Besucher, die etwas erfahren wollten über Arbeit und Biografie des 54-jährigen Russen.
Seit Samstag arbeitet er an der Feldbergschule an einer Marmorskulptur. Der Anlass: Das erste Oberurseler Bildhauersymposium «StadtZeichen», bei dem Karlychanow mit acht weiteren Kollegen aus Oberursel und Umgebung Kunstwerke unter den Augen des Publikums schafft (die TZ berichtete). Besucher sind in der Open-Air-Werkstatt an der Feldbergschule und im Rushmoor-Park gerne gesehen – und das Interesse an der Arbeit der Bildhauer ist groß, wie auch der Abend mit Karlychanow bewies.
Bis zu den Umbrüchen nach der Sowjetzeit waren Karlychanow Reisen ins Ausland verwehrt, selbst die Heimat seiner Vorfahren hatte der 1955 in Kasachstan geborene Russe bis dahin nicht kennen gelernt – die Kunstakademie besuchte er in Usbekistan statt in Moskau. Als Nachfahre eines unter den Bolschewiken verbannten Großgrundbesitzers und Kosakenführers bekam er keinen Reisepass.
Erst mit der Perestroika konnte er wieder ins Land seiner Vorfahren reisen, 1995 ließ er sich in Lomonossow nieder und baute hier unter großen Mühen in der Villa Haus Anjou ein Kunst- und Kulturzentrum auf, wo er mit Freunden und Kollegen arbeitet und lebt.
Deutsche Freunde hatte er schon im fernen Kasachstan, beim Symposium in Oberursel hat er nun viele neue gefunden, berichtet Monika Seidenather-Gröbler von der Abteilung Kultur, Sport und Städtepartnerschaften der Stadt. «Es sei eine immense Bereicherung, ihn hier zu haben», zitiert sie die Künstler, die gemeinsam mit Karlychanow an ihren Skulpturen arbeiten.
Im Sommer 2003 knüpfte Erster Stadtrat Dieter Rosentreter (FDP) erste Kontakte zum Haus Anjou, in der Brasserie werden Dias gezeigt, die die Oberurseler Delegation in Lomonossow gemeinsam mit Karlychanow zeigen. Weitere Dias vom Symposium an der Feldbergschule, der Künstler mit Mundschutz, Taucherbrille und Schlagbohrer bei der Arbeit an seiner Skulptur – eine mühsame und erschöpfende Arbeit, trotz Müdigkeit lauscht Karlychanow aufmerksam jeder Frage, die die Dolmetscher übersetzen.
«Moonlight» hat er die Frauenfigur genannt, zu der ihn ein vertikaler Marmorklotz am Samstag bei Beginn des Symposiums inspiriert hat. «Abschließen kann ich mit einem Werk eigentlich nie, ich finde immer etwas, was noch verbessert werden muss.» Am Dienstag ist allerdings endgültig Schluss – dann ist das Symposium zu Ende, und dann entscheidet sich, ob «Moonlight» in der Brunnenstadt bleibt – eine von Bürgern und einer Jury ausgewählte Siegerskulptur will die Stadt kaufen. Doch auch, wenn «Moonlight» nicht das Rennen macht: Seine Oberurseler Freunde will Karlychanow wiedersehen – spätestens beim zweiten Symposium zum Hessentag.
Die Finissage des 1. Oberurseler Bildhauersymposiums «StadtZeichen» beginnt am kommenden Dienstag um 16 Uhr an der Feldbergschule.
Aus: Taunus Zeitung vom 19.07.2009
Von Jasmin Takim
Von Lomonossow nach Oberursel: Nikolai Karlychanow hat beim Bildhauersymposium viele neue Freunde gefunden.
Oberursel. Diven lassen bekanntlich gerne auf sich warten. Entsprechend groß ist dann die Spannung des Publikums. Auch beim Stammtisch des Partnerschaftsvereins in der Brasserie am Rathausplatz verging erst mal eine knappe Stunde, ehe sich der lang erwartete Gast die Ehre gab.
Doch dem Bildhauer Nikolai Karlychanow verzeiht man die Verspätung gerne. Der Künstler aus der Partnerstadt Lomonossow hatte gleich alle Sympathien auf seiner Seite: Bescheiden, freundlich und aufrichtig erstaunt ob der Aufmerksamkeit, die ihm da zuteil wurde, stellte er sich den Fragen der rund 20 kunstinteressierten Besucher, die etwas erfahren wollten über Arbeit und Biografie des 54-jährigen Russen.
Seit Samstag arbeitet er an der Feldbergschule an einer Marmorskulptur. Der Anlass: Das erste Oberurseler Bildhauersymposium «StadtZeichen», bei dem Karlychanow mit acht weiteren Kollegen aus Oberursel und Umgebung Kunstwerke unter den Augen des Publikums schafft (die TZ berichtete). Besucher sind in der Open-Air-Werkstatt an der Feldbergschule und im Rushmoor-Park gerne gesehen – und das Interesse an der Arbeit der Bildhauer ist groß, wie auch der Abend mit Karlychanow bewies.
Bis zu den Umbrüchen nach der Sowjetzeit waren Karlychanow Reisen ins Ausland verwehrt, selbst die Heimat seiner Vorfahren hatte der 1955 in Kasachstan geborene Russe bis dahin nicht kennen gelernt – die Kunstakademie besuchte er in Usbekistan statt in Moskau. Als Nachfahre eines unter den Bolschewiken verbannten Großgrundbesitzers und Kosakenführers bekam er keinen Reisepass.
Erst mit der Perestroika konnte er wieder ins Land seiner Vorfahren reisen, 1995 ließ er sich in Lomonossow nieder und baute hier unter großen Mühen in der Villa Haus Anjou ein Kunst- und Kulturzentrum auf, wo er mit Freunden und Kollegen arbeitet und lebt.
Deutsche Freunde hatte er schon im fernen Kasachstan, beim Symposium in Oberursel hat er nun viele neue gefunden, berichtet Monika Seidenather-Gröbler von der Abteilung Kultur, Sport und Städtepartnerschaften der Stadt. «Es sei eine immense Bereicherung, ihn hier zu haben», zitiert sie die Künstler, die gemeinsam mit Karlychanow an ihren Skulpturen arbeiten.
Im Sommer 2003 knüpfte Erster Stadtrat Dieter Rosentreter (FDP) erste Kontakte zum Haus Anjou, in der Brasserie werden Dias gezeigt, die die Oberurseler Delegation in Lomonossow gemeinsam mit Karlychanow zeigen. Weitere Dias vom Symposium an der Feldbergschule, der Künstler mit Mundschutz, Taucherbrille und Schlagbohrer bei der Arbeit an seiner Skulptur – eine mühsame und erschöpfende Arbeit, trotz Müdigkeit lauscht Karlychanow aufmerksam jeder Frage, die die Dolmetscher übersetzen.
«Moonlight» hat er die Frauenfigur genannt, zu der ihn ein vertikaler Marmorklotz am Samstag bei Beginn des Symposiums inspiriert hat. «Abschließen kann ich mit einem Werk eigentlich nie, ich finde immer etwas, was noch verbessert werden muss.» Am Dienstag ist allerdings endgültig Schluss – dann ist das Symposium zu Ende, und dann entscheidet sich, ob «Moonlight» in der Brunnenstadt bleibt – eine von Bürgern und einer Jury ausgewählte Siegerskulptur will die Stadt kaufen. Doch auch, wenn «Moonlight» nicht das Rennen macht: Seine Oberurseler Freunde will Karlychanow wiedersehen – spätestens beim zweiten Symposium zum Hessentag.
Die Finissage des 1. Oberurseler Bildhauersymposiums «StadtZeichen» beginnt am kommenden Dienstag um 16 Uhr an der Feldbergschule.
Aus: Taunus Zeitung vom 19.07.2009
25. September 2009 um 03:41 |
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